Vor zwei Tagen hatte ich ein Erlebnis, das ich gerne hier loswerden würde, denn es war immerhin eine Premiere: Ich habe tatsächlich seit meiner Kindheit nie mehr kotzen müssen. Lange Zeit hatte ich auch grosse Angst davor; die hat sich mit der Zeit ein kleines bisschen gelegt, aber es war mir mehr als recht, dass mein Körper diese Funktion nicht zu haben schien. Nun, seit vorgestern weiss ich: Er hat sie doch.
Dazu gibt es noch eine kleine Vorgeschichte: Diejenigen, die mein Tagebuch verfolgen, wissen ja, dass es in meinem Leben einen Mann gibt, der schon das ein oder andere Mal völlig unbewusst meine Verdauung etwas beeinflusst hat

Nun hat er mich wohl noch mit etwas anderem angesteckt (was natürlich Quatsch ist, aber der Gedanke gefällt mir

): Als ich am Dienstag einen längeren Spaziergang rund ums Dorf unternahm, begegnete ich meinem Schwarm völlig unerwartet, worüber ich mich natürlich riesig freute. Während des Gesprächs erzählte er mir, dass er sich gerade von einer Magen-Darm-Grippe erhole. Auf meinen mitleidigen Blick hin versicherte er mir aber, dass es ihm schon wieder viel besser gehe (so sah er auch aus), und ich wünschte ihm weiterhin gute Besserung. So weit, so gut.
Tags darauf musste ich nachmittags wieder zur Arbeit, die ich bis fast zum Schluss wie gewohnt erledigte. Etwa eine halbe Stunde vor Feierabend überfiel mich plötzlich eine Welle der Übelkeit, wie ich das überhaupt nicht kannte bei mir. Ich bediente mit Mühe eine Kundin, während mir der Schweiss ausbrach, bat danach im Vorbeigehen meine Kollegin, die Kasse zu übernehmen und stürmte nach hinten in den Pausenraum. Dort setzte ich mich hin in der Hoffnung, dass es rasch wieder vorbei geht, doch stattdessen musste ich das erste Mal würgen. Zwar ging es mir tatsächlich gleich etwas besser, aber ich spürte, dass da irgend etwas kam. Ich bat meine Kollegin noch, ausnahmsweise für mich die Abrechnung zu machen, und sie meinte noch: "Sicher Magen-Darm-Grippe. Hatte ich letztens auch..." Ich verabschiedete mich eilends, um den Bus noch zu erwischen, und schaffte es sozusagen gerade noch nach Hause, bevor mich die nächste Welle überfiel. Wieder musste ich würgen, aber es kam nichts. In meiner Verzweiflung rief ich meine Mutter an (ich weiss: Wie alt bin ich?

) und klagte ihr mein Leid. Und sie riet mir: Trink einen Tee. Diesen Rat befolgte ich gleich nach dem Telefonat, und nachdem ich nach dem ersten Schluck des heissen Tees noch das Gefühl hatte, mein Magen beruhige sich etwas, kam nach dem zweiten Schluck die nächste Welle - aber schlagartig - ich spürte, wie mein Magen sich zusammenzog und konnte mir nur noch das bereitgestellte Becken schnappen. Gegessen hatte ich an dem Tag so gut wie nichts - es kam vor allem Flüssigkeit, deshalb ging's recht gut. Hinterher fühlte ich mich gleich etwas besser und dachte mir: Du hast es also geschafft und überlebt. Natürlich war's alles andere als angenehm, aber sooo schlimm auch wieder nicht... Ich schrieb meiner Mutter ein Dankeschön für den Tipp mit dem Tee und wollte mich nun hinlegen. Doch nach etwa einer halben Stunde kam nochmals eine Welle, ich schnappte mir das Becken nochmal und würgte noch einen gewaltigen Schwall Flüssigkeit rein. Diesmal schmeckte es richtig bitter und eklig, aber es kam trotzdem einigermassen gut raus. Aber nun war ich fix und fertig und wollte mich eigentlich hinlegen, doch da ich nicht sicher war ob es nochmals losgeht, da mir immer noch übel war, konnte ich lange Zeit nicht einschlafen.
Tags darauf, also gestern, war ich den ganzen Tag fix und alle, jeder Schritt war mir zuviel, beim blossen Gedanken an Essen wurde mir schon fast wieder übel, und ich hatte auch etwas Fieber. Aber inzwischen bin ich endgültig auf dem Weg der Besserung. Durchfall hatte ich übrigens keinen - ich konnte gestern und heute Morgen aufs Klo, als wäre nichts gewesen. Aber inzwischen mache ich mir natürlich meine Gedanken, wo ich das aufgelesen haben könnte. In meinem Job muss man sich über sowas ja nicht gross wundern, daher ist diese Frage wahrscheinlich ziemlich schnell beantwortet. Aber wie schon gesagt, mir gefällt für diesmal der Gedanke ganz gut, mich durch eine blosse Unterhaltung über das Thema angesteckt zu haben
